EINE NEUE STUDIE VON OXFORD ECONOMICS ZEIGT DIE WIRTSCHAFTLICHE, GESELLSCHAFTLICHE UND ÖKOLOGISCHE BEDEUTUNG DES MOTORRADSEKTORS IN EUROPA.
Die Motorradindustrie ist ein deutlich wichtigerer Bestandteil der europäischen Wirtschaft, als viele vermuten würden. Das geht aus der neuen Studie „The Economic Importance of Motorcycles to Europe“ hervor, die, während der EICMA in Mailand im Rahmen der Konferenz „MOTONOMICS: Industrial Realities and Policy Horizons“ vorgestellt wurde. Veranstaltet wurde die Tagung von ACEM, dem europäischen Verband der Motorradhersteller, gemeinsam mit Confindustria ANCMA.
Die von Oxford Economics erstellte Untersuchung zeigt, dass der Motorradsektor im Jahr 2024 in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich eine Wirtschaftsleistung von 35,1 Milliarden Euro unterstützte. Gleichzeitig sicherte er 481.600 Arbeitsplätze und generierte Steuereinnahmen von 20,6 Milliarden Euro.
Weit mehr als nur Produktion und Verkauf
Der grösste Teil dieser Wertschöpfung stammt aus der Herstellung, dem Verkauf und der Wartung von Motorrädern und deren Komponenten. Allein dieser Bereich unterstützte 26,7 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung und mehr als 356.000 Arbeitsplätze.
Auch das weitere Ökosystem spielt eine wichtige Rolle. Helme, Schutzbekleidung und Motorradzubehör trugen weitere 5,7 Milliarden Euro bei, während Rennen, Fachmessen und Markenveranstaltungen zusätzliche 2,7 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung generierten.
Von den insgesamt 481.600 Arbeitsplätzen befinden sich 208.900 direkt in der Branche, von der Produktion über Händler bis hin zu Werkstätten. Die übrigen Stellen entstehen durch Zulieferer, Dienstleistungen, Logistik und zahlreiche weitere Wirtschaftszweige.
Italien und Deutschland an der Spitze
Laut der Studie entfallen jeweils 23 Prozent des gesamten wirtschaftlichen Beitrags auf Italien und Deutschland. Dahinter folgen Frankreich mit 13 Prozent, das Vereinigte Königreich mit 9 Prozent, Spanien mit 7 Prozent und Österreich mit 5 Prozent.
Die Autoren weisen darauf hin, dass die tatsächliche Bedeutung des Sektors sogar noch höher sein dürfte. Bereiche wie Motorradtourismus, Fahrausbildung, Versicherungen oder Lieferdienste konnten nicht vollständig berücksichtigt werden.
Ein Lösungsansatz für Städte
Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung leisten Motorräder und Roller auch einen wichtigen Beitrag zur Mobilität.
Derzeit sind rund 42 Millionen Motorräder auf Europas Strassen unterwegs. Das entspricht etwa elf Prozent des motorisierten Fahrzeugbestands. Täglich nutzen 6,4 Millionen Menschen ein Motorrad oder einen Roller für den Arbeitsweg.
Ihre Pendelzeiten sind durchschnittlich um ein Drittel kürzer als jene von Autofahrern. Zudem spart jeder Motorradpendler laut Studie rund 580 Euro pro Jahr.
Auch beim Platzbedarf zeigen sich Vorteile. Ein Motorrad benötigt lediglich 2,9 Quadratmeter Parkplatzfläche, während ein Auto durchschnittlich 11,5 Quadratmeter beansprucht. Damit finden vier Motorräder auf dem Platz eines Autos Platz.
Weniger Staus und weniger CO₂
Besonders interessant sind die Modellrechnungen der Studie.
Würden lediglich fünf Prozent der europäischen Auto-Pendler auf Motorräder umsteigen, könnten jährlich rund 28 Millionen Reisetage eingespart werden. Der wirtschaftliche Nutzen würde sich auf etwa 8,6 Milliarden Euro belaufen.
Zusätzlich könnten die Betriebskosten um 3,9 Milliarden Euro sinken und der CO₂-Ausstoss um rund 2,6 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden.
Ausserdem würden europäische Städte etwa 124 Quadratkilometer Parkfläche gewinnen, was mehr als 17.000 Fussballfeldern entspricht.
Wettbewerbsfähigkeit bleibt zentrale Herausforderung
Während der Konferenz diskutierten Vertreter der Branche auch über die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas.
Nach Angaben von ACEM gingen die Exporte europäischer Motorräder und Komponenten im Jahr 2025 deutlich zurück, während die Importe zunahmen. Dadurch vergrösserte sich das Handelsdefizit des Sektors erheblich.
Die Hersteller fordern deshalb Rahmenbedingungen, welche Investitionen fördern, faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und die Rolle motorisierter Zweiräder in den zukünftigen Mobilitätsstrategien Europas stärker berücksichtigen.
— Red. SCT
Scootertime – Leichte Mobilität, urbane Kultur, Freiheit auf zwei Rädern.